Willkommenskultur und Gleichberechtigung in Solingen (Sendung vom 06.09.2026)
Shownotes
In der Sendung vom 06.09.26 durfte ich mit Zohal aus Solingen über Integration und Feminismus sprechen: Wie läuft der Integrationsprozess eigentlich ab? Wie ist es, in zwei Welten aufzuwachsen? Wie weit sind wir im Thema Gleichberechtigung eigentlich gekommen? Warum braucht es immer noch Feminismus?
Die nächste Sendung läuft am Sonntag den 04.10.2026 wieder um 19:04 Uhr auf Radio RSG.
Zum Format:
19null4 läuft seit Jahrzehnten an jedem ersten Sonntag im Monat um 19:04 Uhr auf Radio RSG. Die Folgen mit verschiedenen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft finden sich jetzt auch nach der Ausstrahlung hier und überall, wo es Podcasts gibt!
Inhaltlich geht es um Politik und Demokratie, aber auch um die Stadt Solingen und Fragen des Alltags.
Moderiert wird das Format vom 25-jährigen Marc Hamacher aus Solingen, Host des Podcast-Formats "Deutschland Deine Demokratie".
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Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich Willkommen zum Radiomagazin, Neunzehn-Nullvier.
00:00:04: Ihr hört jetzt die Sendung, die am Sechsten September um Ninzehn und Vier bei Radio RSG lief.
00:00:10: Im Radio macht das Ganze natürlich noch etwas mehr Spaß als durch Musik läuft!
00:00:13: Also gerne die nächste Sendung am vierten Oktober um NinzenundVier live im Radio hören.
00:00:19: Guten Abend und herzlich willkommen zum Radiomagazin, dass jeden ersten Sonntag im Monat zu dieser Zeit stattfindet.
00:00:29: Ich spreche hier mit Spannengästen über Themen rund um Demokratie, Politik und Solingen.
00:00:35: Heute befassen wir uns mit zwei Themen die bei dem ein oder anderen auch mal große Emotionen und polarisierte Debatten auslösen können Integration und Feminismus.
00:00:45: Hierzu durfte ich mit So-Halt sprechen, sie ist vierzehn Jahre alt, studiert Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal, kommt aus Solingen und hat uns viel zu sagen!
00:00:54: Zusammen sprechen wir darüber wie Integration eigentlich abläuft, welche Erfahrungen sie und ihre Familie gemacht haben.
00:00:59: Und wie es eigentlich ist in zwei Welten aufzuwachsen?
00:01:02: Dann geht es weiter mit der großen Frage was ist denn jetzt eigentlich Feminismus und warum stören sich so viel an diesem Begriff?
00:01:08: Wie sieht unser Frauenbild aus und wie weit sind wir eigentlich von Gleichberechtigung entfernt?
00:01:13: und was hat das Ganze mit unserer Demokratie zu tun?
00:01:17: Soal du wohnst ja in Soling und bist hier aufgewachsen.
00:01:21: Jetzt hast mir bereits erzählt, dass deine Familie aus Afghanistan kommt.
00:01:24: Möchtest du zu Beginn vielleicht mal etwas über den Prozess erzählen?
00:01:28: Wie deine Familie nach Deutschland gekommen ist wie das so Stück für Stück ablief Und wie deine Familie den Integrationsprozess wahrgenommen hat.
00:01:36: Ja sehr gerne.
00:01:37: also meine Familie hat sich damals entschieden aus Afghanistan zu fliehen.
00:01:40: Das war auch aufgrund der Taliban.
00:01:47: Und sie sind mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen, hatten quasi nur wenig von ihrem Hab und Gut mitgenommen, haben alles dort stehen- und liegen lassen und sind nach Deutschland kommen.
00:01:57: Als Sie an Frankfurt gelandet sind ... Du musst dir vorstellen, Sie konnten die Sprache nicht!
00:02:01: Sie wussten nicht wie Sie sich orientieren sollen.
00:02:04: Sie hatten gar keine Ahnung.
00:02:06: Dann standen sie da und wurden er in die Hand genommen.
00:02:10: Sie wollten erst mal direkt die deutsche Sprache lernen Und das Lief sage ich mal sehr, sehr schwierig.
00:02:16: Weil du musst halt vorstellen wenn jemand die Sprache nicht vertraut ist es ist halt schwierig reinzufinden und wie der Integrationsprozess so ein bisschen lief.
00:02:25: also erstmal waren sie auch in einer Unterkunft für Geflüchtete und bis sie dann eine Wohnung bekommen haben das hat ein bisschen gedauert.
00:02:35: Sie waren sehr jung damals.
00:02:36: Also meine Mama war beispielsweise auf fünfzehn Jahre alt und da war auch das Thema Schule Bildung, auch ein Thema Und dann ist es halt so gewesen dass sie danach Solingen gekommen sind und da waren sie tatsächlich an der Miltritschälschule und sind dort in die zehnte Klasse gegangen damit sie noch mal die Sprache lernen, damit sie auch ein bisschen integriert werden in den deutschen Schulprozess.
00:02:59: Und da haben Sie die Sprach angefangen zu lernen und auch Sprachkurse bekommen.
00:03:02: Also hatten auch tolle Lehrer total unterstützend, auch die Stadt Solingen hat damals meine Familie sehr weiter geholfen, aber auch private Menschen, die einfach Lust hatten, meine Familie zu integrieren.
00:03:13: Das war ein gegenseitiger Prozess quasi.
00:03:16: Meine Familie hatte Interesse sich zu integieren weil sie natürlich auch Deutschland etwas zurückgeben wollten Weil Deutschland ist ihre neue Heimat in dem Sinne.
00:03:24: Natürlich haben sie die afghanischen Wurzeln nicht vergessen, das so kurz zum Integrationsprozess.
00:03:30: Und warum genau nach Deutschland?
00:03:32: War das eine langen geplante Entscheidung oder war es eher ein Adhok, okay wird uns hier zu gefährlich wir müssen irgendwie weg und dann ist Deutschland mehr oder weniger die Konsequenz gewesen?
00:03:43: Teils teils muss ich ganz ehrlich sagen weil meine Verwandtschaft ist auch nach Deutschland gekommen Und die waren schon ein bisschen vorher da und ich glaube, das hat auch eine große Rolle gespielt.
00:03:51: Dass sie gesagt haben okay Deutschland weil wir haben dort Bekannte Auch wenn sie nicht in derselben Stadt waren aber zumindest im selben Land und Deutschland aufgrund der Demokratie Weil meine Familie immer eine positive Assoziation mit Deutschland Das Land der Demokraties, das Land wo Menschen herzlich willkommen sind.
00:04:06: Aber meine Familie möchte auch wie gesagt Deutschland etwas zurückgeben und hat sich super integriert.
00:04:12: Sie arbeiten alle können auch die deutsche Sprache sehr gut klar du merkst Nicht ihre Muttersprache ist es auch gar nicht schlimm.
00:04:18: Deswegen war Deutschland quasi ihre Entscheidung.
00:04:21: Und du hast eben gesagt, dass deine Eltern so an die Hand genommen wurden?
00:04:25: Also in den neunzig Jahren da zu dem Zeitpunkt... Glaubst du, dass da die Willkommenskultur eine andere war als es heutzutage der Fall ist?
00:04:34: Ja
00:04:34: ich muss ganz ehrlich sagen schon.
00:04:36: Ich glaube damals waren die Menschen ein bisschen offener und haben eher miteinander gesprochen und ich glaube da war auch das Interesse groß.
00:04:42: okay was is denn Afghanistan überhaupt?
00:04:45: Was ist ne afghanische Kultur?
00:04:46: Da ging's halt... viel mehr darum miteinander zu sprechen.
00:04:49: Heutzutage habe ich das Gefühl, dass es eher ein Gegeneinander geworden ist.
00:04:53: Ich hab das Gefühl die Vorurteile auch steigen und anstelle, dass man fragt oder die Hintergründe wissen möchte, warum ein Mensch geflohen ist wird direkt gesagt ja, warum bist du überhaupt nach Deutschland gekommen?
00:05:06: Wir sind schon viele hier!
00:05:07: Und da finde ich so'n bisschen schade um ehrlich zu sein weil... Du musst halt auch einen Beweggrund einer Person nachvollziehen können Und das finde ich ist ein bisschen verloren gegangen.
00:05:20: Glaubst du, dass wenn man jetzt ... sag ich mal, man kommt hierhin und man erfährt direkt eher so einen Gefühl von Ablehnung?
00:05:29: Und man ist ja nicht willkommen, dass das auch in einem Integrationsprozess dann eher schaden kann?
00:05:34: Definitiv!
00:05:35: Wenn du das Gefühl hast, dass du nicht willkommen bist, dann ist auch deinerseits die Motivation nicht hoch zu sagen okay, ich möchte auch integriert werden weil Integration ist für mich ein gegenseitiger Prozess.
00:05:46: Wenn die Person, die geflüchtet ist nicht integriert werden möchte aber die andere Partei versucht sie kontinuierlich zu integrieren das wird nichts genauso andersrum.
00:05:55: also ich finde wenn du von Anfang an so eine Ablehnung erlebst dann beeinflusst sich das leider negativ.
00:06:02: und Du hast eben gesagt bei deine Familie ging es relativ ja Schnell, dass sie ... Sie waren motiviert.
00:06:10: Sprache gelernt, Schule gegangen, Job gefunden.
00:06:14: Haben Sie dabei Unterstützung bekommen oder waren Sie eher so ein bisschen auf sich alleine gestellt?
00:06:18: Sie haben definitiv ganz viel Unterstützung bekommen auch durch die Nachbarschaft.
00:06:21: Also zum Beispiel da haben Sie auch gefragt ja was kannst du mir empfehlen wie funktioniert das überhaupt mit dem Bewerbungsprozess?
00:06:29: Ja Auch durch die Schule haben Sie ganz viele Unterstützung bekommen weil Sie wussten gar nicht okay bewerbungsprozess assist Teil von Deutschland, das gehört halt dazu um beruflich irgendwie einen Einstieg zu finden.
00:06:37: Da hatten sie ganz viel Hilfe bekommen.
00:06:39: und auch wie ist so ein bisschen die deutsche Arbeitskultur?
00:06:43: Ja weil man muss schon sagen die deutsche Kultur von der afghanischen Kultur, die unterscheidet sich schon Und da haben Sie halt sehr viel Hilfe gekommen und was hat auch wunderbar geklappt.
00:06:53: Jetzt würde ich einmal so ein bisschen über die Hintergründe sprechen, wie das jetzt heutzutage abläuft.
00:07:00: Ich habe da mal nachgelesen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
00:07:02: Die haben das relativ überschaubar dargestellt was jetzt passiert wenn eine Person beispielsweise aus Afghanistan heutzudage nach Deutschland kommt.
00:07:12: also werde ich jetzt mal ein bisschen monolog halten für den Moment.
00:07:16: Also eine Person kommt auf Deutschland und stellt erstmal einen Asylantrag beim Bundesamt für Migrations- und Flüchtlinge.
00:07:22: Die Person kommt dann in eine Erstaufnahmeeinrichtung, wo sie Unterkunft, Essen, medizinische Grundversorgung bekommt.
00:07:28: Daten werden erfasst und das Ganze kann Wochen bis eben Monate dauern.
00:07:33: Die Personen werden dann in einer Kommune verteilt etwa in Glücklingsunterkünfte und wenn es gut läuft dann später in eine eigene Wohnung.
00:07:42: Bei der Wohnungssuche wird man durch Sozialarbeiter oder auch durch Ehrenamtler unterstützt.
00:07:46: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entscheidet dann über den Asylantrag, und man erhält entweder eine Aufstandserlaubnis – oder eben nicht!
00:07:53: Wenn man diese Aufstandserlaubnis bekommt kann man sich für Integration- und Orientierungskurse anmelden.
00:07:59: Hier werden dann Sprache sowie Geschichte-, Politik- und gesellschaftliche Strukturen vermittelt.
00:08:03: Nach Erteilung einer Arbeitserlaufnuss kann die Person arbeiten.
00:08:07: Das ist so grob der Prozess.
00:08:10: Jetzt mal ganz kurz, was ich so rausgesucht habe.
00:08:13: Was so Kritik ist an dem aktuellen Prozess wie es aktuell abläuft also von mehreren Seiten und dann sprechen wir ein bisschen darüber, wie wir das finden.
00:08:22: Also erstmal die Kritik, die man sicherlich schon aufgehört hat, dauert alles irgendwie sehr lange als es asylbefand dauert sehr lange.
00:08:30: der bürokratische Aufwand ist immens.
00:08:33: Dann das Thema fehlende Anerkennung von Abschlüssen.
00:08:36: also Leute, die weiß ich nicht in einem anderen Land Arzt waren und dann hier Ewigkeiten warten, bis irgendwas anerkannt wurde.
00:08:43: Noch tausend Sachen nachmachen müssen quasi erst mal wieder als Praktikant im Krankenhaus arbeiten, bis sie dann irgendwann wirklich wieder das machen können was die eigentlich schon Jahre oder Jahrzehnte gemacht haben oder was auch schon häufig gehört habe Leute die halt Lehrer- oder Ärzte waren und hinterher also Reinigungskraft arbeiten weil diese Abschlüsse nicht anerkannt wurden.
00:09:09: Kritikpunkt, dass die Wege in Arbeit zu kompiziert sind.
00:09:12: Also eine Arbeitserlaubnis dauerte eben halt sehr lange und es ist auch hier wieder bürokratisch sehr aufwändig.
00:09:19: Dann der nächste Punkt Sprachförderung reicht nicht aus.
00:09:21: also ich habe ja eben gesagt das gibt diese Integration Es gibt dieser Orientierungskurse.
00:09:25: Ich hab mich da auch mal so durchgeklickt mehr auf der Webseite okay wenn ich jetzt versuchen würde da was zu organisieren.
00:09:31: Da gibt es durchaus Angebote, da habe ich auch so bei mir in der Nähe Angebote gefunden.
00:09:35: Aber die Kritik ist, es gibt zu wenig Kurzplätze, die Wartezeiten sind zu groß und die Finanzierung ist einfach unzureichend.
00:09:43: Also man hat das ja vielleicht mitbekommen dass da in den letzten Jahren auch eher die Gelder gestrichen wurden.
00:09:48: Ich kenne noch ein paar Leute, die so in dem Bereich arbeiten, die sagen okay, da sind Stellen weggefallen Kollegen wurden irgendwie entlassen.
00:09:55: Da wird gerade eher gekürzt.
00:09:58: Nächster Punkt.
00:09:59: Wohnraum ist knapp, dadurch muss man dann meistens so die billigsten Wohnungen nehmen, die es gibt.
00:10:06: Das wiederum hütten ja so Richtung Parallelgesellschaften und eher Segregation statt Integrations-.
00:10:13: und gerade von konservativer Seite kommt zudem der Kritikpunkt dass Deutschkenntnisse nicht genug eingefordert werden also nicht genug Druck erzeugt wird um eben die deutsche Sprache zu lernen sondern das ist ja mehr oder weniger bisher so ein System.
00:10:28: Es wird es gibt diese Angebote, aber die Leute müssen ja schon eine große Eigenmotivation mitbringen.
00:10:35: Die Leute müssen sich sehr damit auseinandersetzen wie das alles abläuft?
00:10:40: Wie sie das organisieren?
00:10:41: Wie Sie das machen und da muss natürlich auch ein eigener Wille dahinter sein.
00:10:45: und gerade von Union zum Beispiel kommt ihr auf der Kritikpunkt dass da einfach ne Pflicht hinterstehen sollte oder was in die Richtung.
00:10:54: Die Gegenposition lautete hingegen, dass viele Geflüchtete Deutsch lernen wollen und arbeiten wollen.
00:10:59: Die bürokratischen Hürden aber einfach zu groß seien und eben diese Integrationsangebote unterfinanziert
00:11:05: sein.".
00:11:06: So das war jetzt sehr viel Kontext!
00:11:08: Mich wollten wir einmal ganz kurz grob darstellen wie die Debatte aussieht was so verschiedene Perspektiven auf das Thema sind.
00:11:17: Grundsätzlich hört man ja immer wieder, das hast du eben auch schon mal so grob gesagt.
00:11:20: Integration ist keine Einbahnstraße.
00:11:22: also es funktioniert halt Startungsangebote machen die Leute müssen irgendwie eine Motivation mitnehmen.
00:11:29: Wie würdest Du das denn jetzt bewerten?
00:11:31: macht der Staat seine Arbeit oder macht er sie nicht?
00:11:35: Oder wollen sich leute nicht genug integrieren?
00:11:37: oder ist beides irgendwie falsch?
00:11:39: weil man würde Ja schon ich würde schon behaupten aus dass war sich so Lese mitbekommen, dass Integration oft sehr gut funktioniert.
00:11:49: Aber oftmals auch eben nicht.
00:11:50: und da ist natürlich die Frage woran hakt es?
00:11:53: Also ich finde viel hat die Bürokratie beizutragen weil wenn du halt von vornherein weißt okay Ich muss jetzt den Antrag stellen was auch richtig ist aber es dauert zu lange Und es sind viele Papiere.
00:12:04: und das Deutsch was in dem Papieren steht Das ist für den Line vielleicht erstmal unverständlich.
00:12:10: und bist so durch diesen bürokratischen Prozess durch bist Da musst du ein bisschen bangen, ob das überhaupt funktioniert.
00:12:16: Bezüglich der Arbeitserlaubnis ist es auch sehr komplex.
00:12:19: Man sollte den bürokratischen Aufwand wirklich reduzieren, gerade bezüglich Abschlüsse.
00:12:25: Wir haben so viele Geflüchtete, die in anerkannten Medizinabschluss haben oder als Lehrkraft tätig sein können und wir haben hier einen großen Fachkräftemangel.
00:12:34: Und man hört so oft, dass es einfach so schwer ist für sie... hier einzusteigen, das finde ich total schade.
00:12:40: Und dann heißt es ja wir haben Fachkräftemangel.
00:12:42: was können wir dagegen tun?
00:12:44: Das Vereinfachen!
00:12:45: Das sind anerkannte Abschlüsse.
00:12:47: Das ist für mich der erste Punkt wo ich die Kritik sehr gut nachvollziehen kann.
00:12:52: Andererseits die deutsche Sprache.
00:12:54: klar wenn du in einem Land kommst, dann finde ich musst du selber auch die Überzeugung haben Ich möchte die Sprache lernen.
00:13:01: Es wäre genauso wie wenn ich sage ich möchte gerne nach Spanien auswandern.
00:13:06: Damit sag ich nicht, dass man die Sprache perfekt sprechen muss.
00:13:08: Sondern einfach, dass du dich im Alltag verstehst oder auch in beruflichen Kontext.
00:13:11: Ich mein ... Die deutsche Sprache ist eine schwere Sprache so, ne?
00:13:16: Und keiner erwartet, dass auf Muttersprachler-Liveau kann.
00:13:19: Es geht darum, das Kann und Sprechen kann.
00:13:22: So, ne!
00:13:23: Deswegen find' ich schon, dass der Start etwas mehr Druck ausüben kann aber nicht zu viel weil im Endeffekt wenn du jemanden zwingst weiß ich nicht ob das den Eigenwillen fordert
00:13:35: Die Frage, wie effektiv das dann ist.
00:13:37: Aber mit Druck kann man ja auch manchmal wieder eher Ablehnung schaffen.
00:13:43: Genau.
00:13:43: Das sind die Fragen, wie das genau ausgeschaltet wird.
00:13:46: Und was ich auch noch sagen wollte... Ich finde, man kann auch mehr Angebote machen seitens des Staats.
00:13:52: Klar es gibt Sprachkurse aber auch unabhängig von der Sprache beispielsweise so einen Tag der offenen Tür bei unterschiedlichen Unternehmen, wo jeder herzlich willkommen ist.
00:14:02: Wo jeder sich mal die Arbeitskultur anschauen kann oder dass man auch mit Menschen im Gespräch einen Austausch kommt.
00:14:07: Dass man so sagen kann ja was ist deine Geschichte?
00:14:09: Wo stehst du gerade?
00:14:10: wie können wir dich unterstützen?
00:14:12: und ich glaube wenn du so offen jemandem begegnest wird die Person sich auch öffnen und vielleicht hat die Person von sich aus eine Ablehnungshaltung verschwindet.
00:14:21: diese dann, wenn man in deinen Austauschen kommt.
00:14:24: Es ist immer bisschen die Frage, also wir haben ja Angebote.
00:14:26: Aber vielleicht bräuchte es ein bisschen mehr ein aktives Zugehen auch auf die Leute?
00:14:33: Dass man sich halt wirklich so'n bisschen wirklich an die Hand nimmt und sagt okay Wir schauen mal zusammen das sind die Angebote, die es gibt Das würde vielleicht für dich Sinn machen Und dass man dann wirklich auch diese Vermittlung in Arbeit erstens schneller geht.
00:14:52: Zusammenweg findet eben auch wie du es gesagt hast, dass die Abschlüsse schnell durch sind und das ein bisschen verzichtet wird.
00:15:01: Das alles zu perfekt machen zu wollen sondern einfach mal sagen okay Die Person hat jetzt hier zehn Jahre an der Schule unterrichtet das ist dann vielleicht diese Sprache oder dieses Thema Auch unterrichten kann sobald die Personen vernünftig Deutsch kann.
00:15:15: oder da gibt es sicherlich Mittel und Wege dass man da Kompromisse findet.
00:15:21: Und Dann ist natürlich die Frage, auch ob diese Arbeitserlaubnis nicht vielleicht eher erst... Also es gibt ja so Systeme das man sagt.
00:15:31: Die Leute arbeiten erstmal, stellen dann diese Arbeits- erlaubnis und die wird dann quasi zwei drei Monate später kommt die dann aber bis dahin kann die Person erstmal arbeiten.
00:15:41: also es ist ja ganz viele Länder machen dass Neuerdings nach diesem Prinzip oder versuchen Gesetze umzustrukturieren, dass es so funktioniert.
00:15:50: Weil die Ämter ja einfach überfordert sind auch wegen dem Fachkräptemangel zum Beispiel.
00:15:55: und wenn man dann sagt okay Die Person darf erstmal alles Und wir prüfen das im Nachhinein Dann kann man immer noch die Personen wieder rausziehen aber erst mal in Arbeit weil das finde ich ist Was mir so aufgefallen ist allgemein in den letzten zehn Jahren was mir so ein bisschen fehlt dieses Gedanke, den du ja eben auch geäußert hast.
00:16:15: Okay wir haben hier total das Problem mit Arbeitskräftemangel.
00:16:20: Wir brauchen die Leute dringend aber wir tun dann doch relativ wenig um die Leute, die ja hier hinkommen da rein zu vermitteln.
00:16:28: also... Die Angebote irgendwie sind ja da aber wirklich konkret die Leute in Arbeit zu vermitteln und damit Unternehmen zusammenarbeiten.
00:16:39: Das fehlt mir so ein bisschen!
00:16:41: Das fehlt mir auch tatsächlich.
00:16:42: und da hört man die Debatte, ja die Geflüchteten nehmen uns die Arbeitsplätze weg.
00:16:45: Das stimmt nicht!
00:16:47: Ja... Da kommt man direkt hier wieder was ich halt angesprochen habe damals wäre so ein Satz vielleicht ganz selten gefallen heutzutage hörst du das sehr oft was ich total schade finde anstatt zu sagen hey wir freuen uns dass Geflüchtete auch mit arbeiten können das sind auch keine geflüchtete.
00:17:02: ich finde man sollte von diesem Status denken auch runter kommen weil ein Mensch ist ein Mensch egal welche Herkunft egal wo er herkommt.
00:17:09: Das finde ich so wichtig, dass man diesen Gedanken hat.
00:17:12: Weil es ist nicht einfach für meine Familie was auch nicht einfach damals ihre afghanische Heimat zu verlassen.
00:17:17: Sie sind noch nie... Wir sind gar nicht mehr zurück nach Afghanistan gekehrt!
00:17:20: Also seit dreißig Jahren in Deutschland sind wir noch nie wieder zurück nach Afganistan gegangen weil das auch nicht geht aber auch weil sie Deutschland als ihre Heimat ansinnen sind auch deutsche Staatsbürger.
00:17:30: Aber sie hat nie das Gefühl irgendwie nicht willkommen zu sein.
00:17:32: Wenn du die heutigen Geflüchteten betrachtest, wo dann gesagt wird ja, die nehmen doch unsere Arbeitsplätze weg?
00:17:37: Wie fühlt sich denn diese Person und das finde ich sollte man auch von diesem Gedanken wegkommen anstelle so sagen Ja die nehmen mir etwas weg.
00:17:44: Man sollte so denken Sie geben uns etwas Und ich finde dass ist eine Bereicherung.
00:17:49: Genau das ist ja so ne AfD-Rhetorik quasi Die natürlich auch unter ökonomischen Gesichtspunkten sehr wenig Sinn macht.
00:17:57: Wie war das denn für deine Familie?
00:18:00: Es ist ja schon schwer irgendwie eine Heimat aufzugeben, sag ich jetzt mal.
00:18:04: Und es ist immer die Frage, integriert man sich so komplett, dass man sich quasi assimiliert und dann isst man jetzt einfach nur noch Deutsch oder hat man halt noch seine Wurzeln, seine Kultur?
00:18:18: also lebt man sozusagen in beiden Welten.
00:18:20: Das stelle ich mir persönlich ein bisschen schwierig vor.
00:18:24: Ähm, ja.
00:18:26: Wie war das für deine Familie?
00:18:28: Also meine Familie fühlen sich sehr afghanisch aber auch deutsch.
00:18:32: Wenn ich das prozentual einschätzen könnte würde ich sagen sie fühlen mich eher afghanischer als deutsch sind trotzdem zwischen zwei Welten würde ich beschreiben zum Beispiel was die Arbeitskultur angeht Disziplin Leistung Das saßen Sie komplett deutsch, würd' ich sagen.
00:18:44: Ja also wirklich!
00:18:46: Das ist für sie total wichtig und sie nehmen die Arbeit auch manchmal ein bisschen zu ernst muss ich ganz ehrlich sagen.
00:18:52: Aber sowieso was das Essen angeht, da sind sie total afghanisch.
00:18:55: Aber auch was die Gastfreundlichkeit angeht?
00:18:57: Sie sind offen total herzlich haben keine Scheu davon Menschen in den Arm zu nehmen irgendwie zu begleiten.
00:19:04: Der behaupten nicht scheu Das würde ich so ein bisschen.
00:19:06: ja wenn man das jetzt so stereotypisch bezeichnen kann afghanische Bezeichnungen.
00:19:10: und
00:19:11: Wenn ich das mal auf mich beziehe weil ich bin hier geboren und aufgewachsen.
00:19:14: Ich würd sagen dass ich eher zwischen zwei Welten
00:19:16: stehe Und
00:19:18: ich immer sage ich bin deutsche mit afghanischen Wurzeln Weil ich bin beides.
00:19:22: Ich bin stolz auf die deutsche Seite, auf die afghanische Seite.
00:19:25: Beispielsweise Weihnachten ist bei uns zu Hause ein ganz großes Thema, weil ich liebe Weihnachten genauso wie Ramadan.
00:19:30: Genauso wie Zucker und Opferfest, also It!
00:19:33: Das wird auch ganz groß gefeiert.
00:19:35: Und Weihnachten ... Bevor ich irgendwie auf der Welt war, meine Familie hatte gar nicht so viel mit Weihnachten zu tun.
00:19:41: Vielleicht weil sie das eher religiös verbunden haben.
00:19:43: aber Weihnachten Ich liebe Weihnachten.
00:19:48: Ich bin so ein kleiner Weihnachtseil, würde ich immer sagen und ich würd sagen durch mich kommt meine Familie auch immer mehr mit der deutschen Kulturen Anführungsstrichen in Berührung weil ich sage immer ja ich bin hier gewohnt aufgewachsen Deutschland ist Teil meiner Identität!
00:20:01: Ich bin ja auch Deutsche das sage ich immer.
00:20:03: deswegen würde ich sagen meine Familie fühlt sich beides aber eher afghanisch und bei mir ist es sogar andersrum.
00:20:10: Also ich fühl mich deutsch, aber auch natürlich afghanisch.
00:20:12: Ich hab meine Wurzeln nicht vergessen das merkt man mir auch an!
00:20:15: Ich kann noch die Sprache fließen sprechen.
00:20:17: Das ist mir ganz wichtig mich meiner Muttersprache näher zu fühlen... ...das würde ich so beschreiben.
00:20:23: Aber war das für dich schwierig also als du so aufgewachsen bist?
00:20:27: War das schwierig?
00:20:28: weil man ist ja schon irgendwie immer vielleicht hin und her gerissen zwischen zwei Welten.
00:20:33: und stelle mir vor gerade wenn man so heranwachsend ist jung ist irgendwie dass es Schwierig ist da so sein Platz in der Welt zu finden.
00:20:41: Total, also ich muss sagen als ich so... ...vielzehn-fünfzehn war, da wusste ich gar nicht was bin ich eigentlich?
00:20:46: weil ich hab gedacht Ich muss das eine sein oder das andere.
00:20:49: Bin ich Deutsch?
00:20:49: Oder bin ich Afghansch?
00:20:50: Aber ich habe nie das so betrachtet!
00:20:51: Ich kann noch beides sein und es war für mich sehr schwierig Und ich habe ein paar Jahre gebraucht um auch selber zu reflektieren Okay Wer bin
00:20:59: ich?!
00:20:59: Was is mein Identität?
00:21:01: Wo fühle ich mich zugehörig?
00:21:03: In manchen Phasen habe ich gesagt, ich bin eher Deutsch.
00:21:05: In anderen Phasens hab ich gesagt Ich bin afghanisch und heute bin ich stolz darauf sagen zu können... ...ich bin beides!
00:21:09: Und ich repräsentiere das auch.
00:21:10: und ich bin noch stolz drauf wenn man mich über Afghanistan fragt.
00:21:13: Ich bin die Erste, die darüber spricht Wenn man mich mal meine Muttersprache fragt.
00:21:16: Aber meine Mutter sprachen sind deutsch-und afghanische.
00:21:19: Deswegen jetzt als herangehende Erwachsene Bin ich total stolz auf meine beiden Seiten aber als Jugendlicher Das war schon sehr schwierig.
00:21:30: Ja, das kann ich mir vorstellen.
00:21:31: Also du hast jetzt ja quasi so das Beste aus beiden Welten.
00:21:35: Total!
00:21:36: Das Wunschbild würde ich sagen?
00:21:39: Was würdest du denn sagen?
00:21:40: mit welchem Weltbild bist du aufgewachsen?
00:21:45: Ich bin mit einem sehr offenen Weltbild aufgewachsen.
00:21:47: für mich ist jeder Mensch gleich egal welche Herkunft Nationalität Religion.
00:21:51: aber ein Mensch ist ein Mensch dass es so mein Weltbild und Ich wurde auch so erzogen, immer offen Menschen zu begegnen.
00:21:58: Weil du weißt nicht was für eine Geschichte ein Mensch hat und immer nett und höflich und freundlich zu sein?
00:22:03: Und immer mit offenen Armen auch Menschen zu helfen... ...und auch einfach vielleicht Menschen mit offenden Armen zu begegen Auch wenn sie gegenüber etwas kritisch sind.
00:22:13: Beispielsweise wenn jemand irgendeine kritische Aussage mir gegenüber tätigt Aufgrund meiner Herkunft beispielsweise ich bin nicht so ne Person die so sagt Was sagst Du denn da angreifen wird?
00:22:22: Ich versuch die Person zu verstehen Weil nur wenn du diese Person verstehst, kannst du sie davon überzeugen ihren Gedankengang zu überdenken.
00:22:31: Und ich würde sagen, ich bin sehr offen erzogen worden natürlich aber auch vergiss nicht wo du herkommst oder ne?
00:22:38: Also dass deine afghanische Seite da ist also das Du jetzt nicht deiner afghanischen Seite verloren hast sondern dass du auch diese in dir trägst.
00:22:45: Was würdest du denn jetzt sagen?
00:22:46: Du hast gesagt du kommst aus Solingen.
00:22:48: Deine Familie wohnt jetzt in Solingen.
00:22:51: Wie Funktioniert denn Integration in Solingen jetzt speziell?
00:22:58: Das ist eine sehr schöne Frage und ich muss sagen, Solingen habe ich immer als offen wahrgenommen.
00:23:06: Und beispielsweise als meine Familie damals nach Solingen gekommen ist – die Stadt Solingen hat sie total unterstützt – beispielsweise meine Mama hatte sehr guten Kontakt zu dem ehemaligen Oberbürgermeister an Soling, Tim Kurzbach hat Solingen immer offen wahrgenommen, meine Familie auch.
00:23:24: Also die Stadt Solingen hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass meine Familie sich total toll integriert hat aber auch das Umfeld drumherum, die ganze Nachbarschaft.
00:23:34: Wir haben auch afghanische Nachbarn drüber um, die schon vor meiner Familie dort waren und die auch meine Familie mit an die Hand genommen hatten Und auch ein bisschen Solingen ja schöner dargestellt haben und wie schön Ecken und Orte von Solingen gezeigt haben.
00:23:47: Die ist ja durchaus gibt
00:23:48: Genau!
00:23:48: Die ist auch durchaus gibt.
00:23:52: Allgemein, ich muss sagen das hat ein bisschen auch in Solingen abgenommen.
00:23:57: Muss ich ganz ehrlich sagen so diese Offenheit gerade auch vielleicht wegen dem Vorfall beim Stadtfest was passiert ist und da hat man auch die Angst gemerkt.
00:24:06: Ich finde Solingen ist jetzt aktuell so ein bisschen ängstlich.
00:24:10: Was so gegenüber Geflüchtete angeht So nehme ich dass irgendwie auf jeden Fall war beispielsweise dieser Vorfall der passierte es beim Stadt fest.
00:24:17: Ich habe schon gemerkt dass ich auch etwas anders angeschaut wurde aufgrund meines Erscheinungsbildes oder mein Onkel beispielsweise auch.
00:24:26: Und dass die Menschen dort ängstlich sind, ähm... Oder ängslig geworden sind.
00:24:31: Nicht, dass du trotzwürdig Solingen als offen beschreiben jetzt ein bisschen geprägt mit Angst?
00:24:38: Aber ja!
00:24:38: Also du würdest trotzdem noch sagen, dass dich hier also in Solingen sehr wohl fühlst und deine Familie sich auch wohlfühlt.
00:24:45: aber es hat sich so'n bisschen was
00:24:47: verändert.
00:24:47: Definitiv!
00:24:48: Also das hat sich ladet, was
00:24:49: verändert?!
00:24:50: Meine Familie liebt Solingen.
00:24:52: Sie lieben Soling über alles, die wollen noch gar nicht aufs Soling wegziehen.
00:24:54: Im Gegensatz zu mir sind wirklich total stolz auch auf Solingen und sie nehmen aber auch diese Veränderungen leider wahr.
00:25:03: ich meine aufgrund des Ereignisses aber auch allgemein weil das hat auch wieder mit dem Thema zu tun was wir anfangs besprochen hatten dass sich so diese Offenheit Richtung Ängstlichkeit entwickelt und dann auch teilweise auch Richtung Hass.
00:25:19: Jetzt wollen wir gleich auch so ein bisschen über Feminismus
00:25:21: sprechen.
00:25:22: Jetzt zu Beginn erstmal, wie würdest du denn das Frauenbild bei uns in Deutschland beschreiben?
00:25:29: Also ich muss sagen dass Frauenbild in Deutschland hatten Entwicklung hinterlegt weil in den fünftigern und sechzigern hatten Frauen gar keine Rechte und wurden er als Haushaltsdame bezeichnet, hatten auch ihre Rollen in Anführungsstrichen.
00:25:44: aber jetzt siehst du Gott sei Dank, dass es in die Richtung geht.
00:25:47: Frauen sind nicht nur da, um zu kochen oder den Haushalt zu schmeißen.
00:25:52: Frauen können so viel mehr als das und Frauen sind auch individualistisch geworden.
00:25:59: Das ist so wichtig!
00:26:00: Es geht ja auch Richtung Feminismus.
00:26:02: von daher würde ich sagen dass das Frauenbild hier in Deutschland eine positive Entwicklung darlegt.
00:26:07: Nichtsdestotrotz könnte es besser sein.
00:26:10: Jetzt würde ich noch auf ein Thema eigentlich ein bisschen heikel sage ich jetzt mal.
00:26:16: Aber was man ja häufig hört, oder was ich zumindest häufig irgendwie schon gehört habe ist das Ding dass man Frauen in Deutschland sieht zum Beispiel die einen Kopftuch tragen und man dann sagt oh Die armen Frauen werden ja unterdrückt und müssen ein Kopftuch tragen.
00:26:30: so also jetzt mal ganz pauschal dargestellt Das hört man ja ab und zu mal.
00:26:36: diesen Satz Das würde ich so jetzt selber nicht unterschreiben, aber hört man ja so.
00:26:41: Wie nimmst du dieses Argument wahr?
00:26:43: Dieses Argument macht mich sehr emotional weil... Ich habe eine beste Freundin und sie trägt Kopftuchsees für mich wie ne Schwester Und sie träg das aus Überzeugung und sie strahlt es auch so aus.
00:26:53: Sie ist doch stolz darauf!
00:26:54: Und das hat nichts mit Unterdrückungen zu tun.
00:26:56: Sie macht es, weil sie es möchte.
00:26:57: Und diese Aussage, ich verstehe nicht worauf warum man das mit einem Kopftucht assoziiert.
00:27:02: Warum man das auf eine Religion anschiebt, warum man dann den Islam damit verbindet.
00:27:06: Im Christentum wird auch ein Kopftuch beispielsweise getragen bei den Nonnen oder im Judentum.
00:27:11: Und ich finde, das ist die eigene Entscheidung der Frau ob sie einen Kopftucht tragen möchte oder nicht und im Endeffekt es ist ein Stück Tuch!
00:27:17: Ich bin dieselbe Person, auch wenn ich ein Stück tuch trage oder nicht... ...und ich verstehe nicht warum dass immer mit Unterdrückung verbunden wird.
00:27:24: Warum?
00:27:25: Das macht mich total wütend weil ich das so oft schon gehört habe.
00:27:29: meine Oma trägt auch ein Koptuch.
00:27:31: Sie macht das aus Überzeugungen aber niemals wird bei uns Hause gesagt du musst einen Kopfduch tragen Weil auch aus religiöser Perspektive, Zwang ist nicht gut.
00:27:40: Zwang is auch nirgendwo erwünscht!
00:27:42: Und meine beste Freundin, sieh's das Paradebeispiel dafür, dass sie das mit Stolz und Überzeugung trägt und es so schön... ...und ich verstehe nicht warum man immer aus dem Kopf doch etwas Negatives macht und nicht etwas Positives.
00:27:53: Und am Ende des Tages, wie ich bereits erwähnt habe, es ist ein Stück Tuch.
00:27:56: der Mensch bleibt derselbe Mensch die Frau bleibt dieselbe Frau und es hat nichts mit Unterdrückungen zu tun.
00:28:01: Es werden auch leider Frauen unterdrückt, die ihre Haare zeigen.
00:28:05: Das hat nichts damit zu tun.
00:28:07: Dann wollen wir jetzt noch mal eben einen Schritt zurückgehen und drüber sprechen, was bedeutet für dich eigentlich dieses große Wort Feminismus?
00:28:17: Ja, Feminismus bedeutet für mich dass Frauen dieselben Rechte haben wollen wie Männer!
00:28:21: Das bedeutet nicht Männerhass weil was mich auch total aufregt ist das Feministmus mit Männerhuss assoziiert wird...das stimmt nicht.
00:28:28: Und es gibt auch leider Frauen Die nicht feministisch sind und die sagen, ja es ist Männerhass.
00:28:34: Nein!
00:28:35: Es geht darum, Feminismus.
00:28:37: ohne Feminismus hätten Frauen gar keine Rechte.
00:28:39: dies jetzt hatten.
00:28:40: Wir könnten nicht Auto fahren wir können nicht arbeiten, wir hätten keine Bankkarte.
00:28:45: Feministmus brauchen wir, Feminismus gibt uns was, Fominismus nimmt uns nichts weg.
00:28:50: Also grob gesagt, Fiminismus bedeutet einfach Gleichberechtigung für Frauen und Männer, und dass Frauen dieselben Rechte haben wollen wie Männer.
00:28:58: Und ich finde – das sollte eigentlich sehr verständlich sein!
00:29:00: Ich finde heutzutage sollte jeder Feminist sein?
00:29:02: Männer und Frauen.
00:29:03: Weil wir möchten alle Gleichberechtigung.
00:29:05: Wir leben alle in einer Demokratie und Feminismus ist so wichtig.
00:29:10: Ja da würde mich anschließend glaube Feminismus der... Begriff triggert ja manche Leute auch, der wird oftmals assoziiert mit ein paar wenigen sehr extremen Auslegungen des Feminismus und alle halten dann das quasi für den Feministus.
00:29:25: Aber ich glaube du hast es gerade ganz gut beschrieben was eigentlich hinter Feminismos steckt Und ich sehe da auch immer so die historische Perspektive wie wirklich über Jahrhunderte Frauen Für mehr Rechte gekämpft haben und eben genau darum geht irgendwie diese Rechte zu bekommen, die sie eigentlich sowieso von anderen hätten haben sollen.
00:29:45: Beispielsweise afghanische Frauen Afghanistan.
00:29:48: Sie haben keine Rechte.
00:29:49: Ihnen werden die Rechte kontinuierlich genommen von Männern weil Männer die Frauen als Bedrohung ansehen.
00:29:53: Warum?
00:29:54: Weil ich bin hier geboren aufgewachsen Ich kann mich selber verwirklichen!
00:29:57: Ich habe das Privileg dazu.
00:29:59: aber bei einer Frau hängt es von ihrem Geburtsland ab ob sich verwirkliche kann oder nicht Während ein Mann egal wo er geboren wird Er hat ja immer rechte Und deswegen ist es ein Indiz dafür, warum Feminismus so wichtig ist und warum es immer wichtiger wird.
00:30:12: Und ohne Feminismus hätten wir Frauen überhaupt keine Rechte mehr.
00:30:16: Wir
00:30:16: haben ja eben schon drüber gesprochen, dass sich im Frauenbild einiges positiv entwickelt hat.
00:30:21: Also das sich über die letzten Jahrzehnte hier in Deutschland einiges getan hat.
00:30:26: Wir wollen uns auch noch ein bisschen darüber sprechen.
00:30:28: okay was fehlt denn dann noch?
00:30:29: Weil ich muss ja schon sagen Auch heute noch würde ich immer noch den Satz unterschreiben Dass ich jetzt der als weißer Mann geboren bin, habe es so viel leichter im Leben als auch eine weiße Frau.
00:30:43: Aber auch noch mal viel viel leichtere als ne Frau die nicht weiß ist sag ich jetzt mal und das allein zeigt ja irgendwie okay da stimmt irgendwas noch nicht ganz.
00:30:55: also irgendetwas ist noch nicht perfekt.
00:30:57: dann muss sich noch was verändern.
00:31:00: Was sind da so die ersten Dinge dir in den Kopf kommen?
00:31:04: Erstmal Das Verhalten von Frauen und Männern wird so oft verglichen, beispielsweise wenn du jetzt auf die Mütterlich-Perspektive guckst.
00:31:13: Wenn eine Mutter für ihr Kind da ist ... alles macht, wird das selbstverständlich bezeichnet, wenn sie sich um ihr Kind kümmert.
00:31:18: Ach ja!
00:31:18: Ist die Aufgabe der Mutter, ist die Aufgabe ihrer Frau?
00:31:21: Wenn der Vater nur sich einmal um das Kind kümert, wird er gelobt, wird der hochgepriesen.
00:31:26: Ja,
00:31:27: Klassiker.
00:31:28: Genau ein Klass... das ist ein Klasiker.
00:31:29: Eine normale Mutter an Anführungsstrichen ist ein herausragender Vater.
00:31:33: Und es kann ja nicht sein.
00:31:36: Deswegen finde ich, dass hier das Nummer verdeutlicht wird.
00:31:40: Dass Männer's einfach haben und allgemein wenn ein Mann irgendwas tut es wird total gelobt Es wird total gepusht und alles drum und dran.
00:31:49: Ich mein schön und gut, dass Männer auch ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten.
00:31:54: Das ist aber genau selbstverständlich wie eine Frau das tut.
00:31:57: Ja von Frauen wird erwartet sie sollen arbeiten gehen gleichzeitig ihren Haushalt schmeißen Und dann noch ihren Mann sich um ihn einen Mann kümmern.
00:32:04: Und was für ein Mann erwartet, das stelle ich mir die Frage.
00:32:09: Ich möchte nicht Männer angreifen – Gottes Willen!
00:32:11: Aber es stimmt, Männer haben's einfach als Frauen.
00:32:14: Sie hatten's auch immer einfacher und sie mussten nicht für ihr Recht kämpfen um studieren zu können, sie musste nicht dafür kämpfen, um Auto fahren zu können.
00:32:22: Sie werden nicht aufgrund ihrer Klardung sexualisiert oder als Objekte betrachtet.
00:32:26: Frauen werden am laufenden Band bewertet beurteilt und wenn sie irgendwie sexuell belästigt werden ist die erste Frage «Was hatte sie an?».
00:32:33: Und dabei gab es mal so eine Ausstellung in einem Museum.
00:32:35: Da wurden unterschiedliche Klardungsstücke von Frauen aufgehangen, wo sie sexuell belästigt wurden.
00:32:40: Da war alles dabei!
00:32:41: Von der Jogginghose bis zu einem knappen Kleid anfunkstrichen ... bis zum He-Jab... Alles!
00:32:49: Und da stelle ich mir die Frage Warum haben es Männer so einfach?
00:32:54: Es ist sicherlich dass diese Erwartungshaltung, das hab' ich auch so wahrgenommen schon ne ganz andere ist ob du jetzt ein Frau oder Mann bist.
00:33:03: Wir sprechen da gleich noch so ein bisschen im Detail.
00:33:05: Es geht auch noch um Femizide, es geht noch um Gewalt gegen Frauen.
00:33:09: Ich wollte jetzt noch so'n bisschen drüber sprechen was ja auch auf dem Thema ist.
00:33:13: Frau in Führungsposition Ja sind immer noch seltener Auch wenn sich das so ein bißchen verbessert hat.
00:33:19: mal eben hier die Zahlen vom Statistischen Bundesamt stand, zwanzig arbeiteten In deutschen Führungsetagen rund neunzwanzig Prozent Frauen der Rest Männer.
00:33:29: Der EU-weite Durchschnitt liegt allerdings bei thirty-fünf Prozent, also liegt Deutschland hier deutlich unter dem Durchschnitt.
00:33:37: Ähnlich sieht es aus beim Gender Pay Gap, also Unterschiede im Verdienst zwischen Frauen und Männern.
00:33:44: Frauen verdienen in Deutschland standen zwanzigundzwanzig, sechzehn Prozent weniger als Männer.
00:33:50: Im EU-Schnitt sind das allerdings nur elf Prozent weniger, Im EU-Schnitt liegen wir in beiden diesen Dingen.
00:33:56: Was Führungspositionen angeht, was Gender Pay Gap angeht eher hinten.
00:34:02: Und da ist natürlich so ein bisschen die Frage wie kann das sein?
00:34:06: Sonst würde ich ja sagen jetzt mal im den EU-Staaten denken Deutschland als Liberale Demokratie ist da relativ vorne mit dabei sowas rechte anbelangt aber da läuft es irgendwie nicht so gut.
00:34:17: Ja ich glaube dass hat auch viel damit zu tun welche Rolle einer Frau zugesprochen wird.
00:34:21: Wenn man so stereotypisch denkt, werden Frauen nicht in Führungspositionen gesehen weil dann wieder diese Frage mit Vereinbarkeit, Karriere und Familie kommt.
00:34:29: viele gehen ja davon aus dass alle Frauen Kinder haben möchten.
00:34:31: das fängt schon mal da an.
00:34:33: nein ich jede frau möchte Kinder haben und das ist absolut
00:34:35: in Ordnung zeigt auch die geboten rate richtig
00:34:37: genau und es ist absolut unordnungen.
00:34:38: da sollte man nicht mit Empörung darauf reagieren.
00:34:40: wenn eine frau sagt Ich möchte keine Kinder da fängt's finde ich an.
00:34:43: zweitens als wenn eine Frau Kinder möchte sollte sie nicht nur darauf reduziert werden dass sie nun der mutter ist.
00:34:48: Eine Frau ist viel mehr als das.
00:34:50: Zweitens, im Drittens?
00:34:52: Ich finde man sollte auch im Unternehmen die Unterstützung bekommen.
00:34:54: Auch seitens beispielsweise deiner Vorgesetzten zu sagen hey ich seh dich viel weiter als du bist.
00:35:02: möchtest du nicht irgendwie die Beförderung anstreben?
00:35:05: weil ich finde wenn du von deinem Arbeitsumfeld auch nicht diese Unterstützung hast dann find' ich Harpers auch daran und es sollte nach Leistung geschaut werden und nicht nach einem Geschlecht.
00:35:14: Deswegen verstehe ich dieses Gender-Pay Gap nicht, warum nicht nach Leistung geschaut wird und warum nur wieder dieses Thema geschlecht.
00:35:21: Wo ist denn der Unterschied zwischen Männern und Frauen?
00:35:23: Wenn ich dieselbe Leistung erbringe wie ein Mann, dann sollte mir gleich verdienen!
00:35:27: Um jetzt mal so'n bisschen...so'n Stichdrundel zu machen, so Schadrusquo Jetzt würdest du unterschreiben.
00:35:34: Also die Rolle der Frau hat sich positiv entwickelt aber es gibt immer noch Faktoren, die Frauen systematisch benachteiligen hier in Deutschland.
00:35:42: Ja muss ich ganz ehrlich sagen.
00:35:44: also Es gibt schon Faktoren, die frauensystematisch hier benachteiligen.
00:35:49: Und ich finde in einem Land wie Deutschland sollte das nicht erfolgen gerade als ein demokratisches Land wo Demokratie das Wichtigste hat und gut ist was wir haben.
00:35:57: Ich will jetzt mal langsam so einen Abschluss finden.
00:36:00: Wir haben uns sehr viel unterhalten, haben mir sehr viel Spaß gemacht.
00:36:03: Lass uns zum Ende hin da nochmal so'n bisschen Ordnung reinbringen.
00:36:07: Wie würdest du denn jetzt sagen?
00:36:08: Wirkt sich die aktuelle Integrationspolitik über die wir ja gesprochen haben auf unsere Demokratie aus.
00:36:16: Also ich finde, dass wir Gesetze zur Integration haben wichtig und auch richtig.
00:36:22: allerdings die Ausführung und wie das erfolgt, finde ich ein bisschen fragwürdig und ich finde Das könnte der Demokratie auch schaden.
00:36:31: beispielsweise wenn du eine Flüchtlingsunterkunft in einer Nachbarschaft hast heißt es warum?
00:36:39: Ja, und dann wird auch geguckt.
00:36:40: Okay was hat denn hier eine Flüchtlingsunterkunft zu suchen?
00:36:43: Anstelle zu sagen hey ist doch toll!
00:36:45: Dann können wir uns austauschen.
00:36:47: Also da merkst du einmal die Demokratie entwickelt sich dann eher so oh nee warum muss jetzt das geben?
00:36:52: oder teilweise heißt es in Deutschland sind so viele Geflüchtete.
00:36:58: Oder es heißt ja Geflüchtete die hier hinkommen kriegen direkt wasbildweise den deutschen passen was er gar nicht stimmt Im Gegenteil.
00:37:07: Deswegen finde ich Integration ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie, weil Deutschland ist ein multikulturelles Land.
00:37:15: Das habe ich so wahrgenommen und das nehme ich nach wie vor so wahr.
00:37:18: Und ich hab Deutschland immer als ein Land... Es ist ja auch mein Heimatland!
00:37:21: Ja, und ich nehme Deutschland immer as einen Land war, dass immer offen war für alle Menschen, für alle Kulturen, für all die Völker.
00:37:29: Und es darf sich nicht ändern.
00:37:30: aber ich finde das ändert sich leider und ich finde unsere Demokratie ist in Gefahr jetzt unabhängig von der Integration.
00:37:38: Wenn man jetzt auf die Integration schaut, wie Menschen teilweise behandelt werden nur weil sie Geflüchtete sind und nicht richtig integriert wurden dann wird der Fehler bei den Geflüchteten gesucht.
00:37:49: Und nicht vielleicht bei einem selber.
00:37:50: Es ist einfach auf jemanden zu zeigen zu sagen du hast das falsch gemacht aber auf sich selber zu gucken oder auf den Staat zu gucken Oder beispielsweise die Stadt Soling zu gucken und zu sagen hey hier läuft irgendwas nicht.
00:38:01: Vielen Dank für deine Zeit um den spannenden Austausch hat mir sehr viel Spaß gemacht.
00:38:05: Mir auch ich danke dir.
00:38:07: Im Radiomagazin, haben wir heute Abend mit Sohaal aus Solingen über Integration und Feminismus gesprochen.
00:38:14: Die nächste Sendung könnt ihr am fünften Oktober wieder um vier Uhr hier bei Radio Erst G hören!
00:38:20: Weitere Infos und Inhalte findet ihr auch auf Instagram unter Radiomagazin, die null wird ausgeschrieben.
00:38:27: Falls ihr ein Teil verpasst habt oder euch die letzte Sendung oder eine ältere Sendung noch mal anhören möchtet findet ihr diese Sendung ab jetzt auch auf allen gingen Podcast-Plattformen wie Spotify und Apple Podcast zum Beispiel.
00:38:39: Mein Name ist Marc Hamacher.
00:38:40: Vielen Dank fürs Zuhören.
00:38:41: Einen schönen Abend und bis zur nächsten Sendung.
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